Was ist Stabilisationstraining? Eine minimalistische Anleitung für dich

Diese Frage tauchte vor kurzem in unserer Facebook-Gruppe „Endlich mehr Sport“ auf. Endlich hat sich einmal jemand getraut. Denn erst da fiel mir auf, dass die Frage absolut berechtigt und damit alles andere als blöd ist.

Sportler gewöhnen sich manchmal ein Fachchinesisch an, das von Außenstehenden nur schwer verständlich ist. Deshalb möchte ich dir heute erklären, was Stabilisationstraining bzw. Stabitraining ist, warum du es in dein Training einbauen solltest und welche Übungen dazugehören. Und das ohne Begriffe, die kein Mensch versteht.

Stabilisationstraining – unbeliebt, aber unheimlich effektiv…

Es gibt Dinge, da weiß man eigentlich, dass sie einem gut tun und tut sie trotzdem sehr ungern. Ein Zahnarztbesuch zum Beispiel. Oder schlimmstenfalls tut man sie gar nicht! Wie diverse andere Vorsorgeuntersuchungen.

Sport im allgemeinen kann auch so etwas sein, wie zahlreiches Feedback der Anfänger wissen lässt. Für aktive Sportler schwer vorstellbar, gibt Sport doch so viel positives im Leben, aber ich schweife ab…

Oder auch nicht – denn auch wenn du bereits liebend gern läufst oder Rad fährst, gibt es da ein paar Dinge, die den meisten eher lästig sind. Stabitraining zum Beispiel – wie das Stabilisationstraining oft genannt wird.

Ich bin da gar keine Ausnahme. Ganz im Gegenteil, es gab nicht wenige, teils monatelang anhaltende Phasen, da sah man mich nie auf irgendwelchen Matten turnen. Ich bin schließlich Läufer, Radfahrer oder Triathlet und will entsprechend laufen, Rad fahren oder – wenn auch weniger gern – schwimmen.

Was ist nun dieses Stabitraining?

Stabitraining ist eine Abkürzung, die aus den Wörter Rumpfstabilisierung und Stabilisationstraining entstanden ist. Doch längst ist es weit mehr als nur die Stärkung deines Torso. Es sind Übungen, die für mehr Körperspannungsorgen, deine Balance fördern, deine Körpermitte stärken und damit vor allem deiner Haltemuskulatur dienen.

Diese Haltemuskeln werden im normalen Ausdauertraining nur wenig beansprucht und bei sitzender Tätigkeit gar nicht. Sie sind bei vielen Menschen deshalb einfach hoffnungslos zurückgebildet und das ist die Ursache, warum so viele Einsteiger nach kurzer Zeit Hüftschmerzen, Knieprobleme oder ähnliche leidige Verletzungen bekommen.

Schmerzen im Knie haben zum Beispiel nicht selten die Ursache gar nicht im Knie, sondern in einer zurückgebildeten Muskulatur in der Hüfte und im Rumpf. Ein Teufelskreis – den du durch regelmäßiges Stabi Training durchbrechen kannst.

Stabilisationstraining - was ist das eigentlich? Hier findest du die Antworten und eine Anleitung, wie du das einfach umsetzen kannst.

Warum soll ich Stabilisationstraining machen?

Wichtigster Grund für regelmäßiges Stabitraining ist die Verletzungsvorbeugung. Muskeln und Bänder werden durch ungewöhnliches (weil neues) oder starkes Training belastet. Diese Belastung sorgt dafür, dass du verletzungsanfälliger wirst. Sei es durch Überlastung an sich oder aber auch, weil du zum Beispiel schneller umknickst.

Mit einer verbesserten Haltemuskulatur sorgst dafür, dass diese Belastungen ausgeglichen werden, in dem so wenig Energie wie möglich dafür aufgewendet wird.

Eine Hoffnung für alle Tollpatsche

Was war ich für ein Tollpatsch. Ständig bin ich beim Laufen oder Gehen umgeknickt oder weggerutscht. Dafür musste es gar nicht über Stock und Stein gehen, oft genügte schon die kleinste Unebenheit und wieder einmal war eine Sehne überdehnt.

Tja – seit ich regelmäßig meine Stabilität trainiere, passiert das fast gar nicht mehr.

Wenn du auch zu der Fraktion gehörst, so liegt das nicht an deinen Genen oder am Schicksal. Oft ist es einfach die wenig ausgeprägte Muskulatur in deiner Körpermitte. Verrückt, oder?

Mit einer entsprechend ausgeprägten Haltemuskulatur kannst diese plötzliche Ausgleichsbewegungen perfekt abfangen. Übrigens ein Grund, warum Stabitraining unter Fußballprofis längst Gang und Gebe ist. In Kontaktsportarten wie Fußball, Handball oder Eishockey sorgt der Gegner für plötzliche Instabilität und ohne ausreichend Körperspannung kann das schnell zu schweren Verletzungen führen.

Bessere Lauftechnik durch mehr Stabilisationstraining

Und dann ist da noch die Technik. Besonders gut beim Laufen zu sehen. Je müder die Läufer am Ende eines Halb- oder gar ganzen Marathons sind, desto schlechter wird ihre Lauftechnik.

Sie schleichen regelrecht sitzend über die Strecke. Das ist weder schnell, noch schaut es gesund aus. Die Lösung dieses Problems ist kein monatelanges Feilen an der idealen Lauftechnik, die man mit steigender Müdigkeit ohnehin nicht mehr einhalten kann. Oft reicht einfach regelmäßiges Stabitraining.

Stabi Training hilft auch im Alltag

Vernachlässigst du deine Haltemuskulatur nicht, profitierst du auch im Alltag davon. Du gehst aufrechter, sitzt aufrechter und das entlastet vor allem den Rücken. Und besser schaut es ohnehin aus, wenn du nicht wie ein Schluck Wasser auf deinem Bürostuhl fläzt.

Auch bist du deutlich weniger anfällig, was plötzlich auftauchende Hindernisse und Unwägbarkeiten angeht. Ein Beispiel – vor ein paar Tagen lief ich flotten Schrittes eine ziemlich finstere Straße entlang. Es war feucht und es lag viel altes feuchtes Laub auf dem Gehweg.

Plötzlich rutschte ich ohne Vorwarnung richtig fies aus. Hoppla! Ein Plastikschild lag im Dustern unter dem Laub und zwang mich zu einem mächtigen Ausfallschritt. Ohne die Stabilität in meinem Rumpf und in den Beinen wäre ich sicher auf der Nase gelandet und hätte mir womöglich eine fiese Zerrung zugezogen.

Statt dessen legte ich eine elegante Telemark-Landung hin, fluchte kurz in mich hinein und ging einfach weiter…

Stabilisationstraining

Wann sollst du Stabitraining durchführen?

Stabitraining macht man am besten getrennt vom Laufen oder anderen Training als eigene Einheit. Du solltest vor dem Training ausgeruht sein, damit du die Übungen langsam und bewusst durchführen kannst.

Wenn du dann 2-3x die Woche eine solche, oft sehr kurze Einheit (10-15 Minuten sind da ausreichend) durchführst, hast du schon sehr viel für deine Haltemuskulatur getan.

Übrigens geht es auch noch einfacher. Du kannst viele Übungen ganz einfach und problemlos in deinen Alltag einbauen.

Zähneputzen auf dem Wackelbrett ist zum Beispiel eine hervorragende Möglichkeit, um deine Stabilität in den Beinen zu stärken. So habe ich zum Beispiel das ständige Umknicken extrem minimiert. Doch selbst wenn du kein so ein Balance Board* hast, wenn du deine Zähne auf einem Bein stehend putzt, wirst du ebenfalls eine Verbesserung feststellen.

Und warum nicht bei jedem Gang zum Kühlschrank ein paar Ausfallschritte durchführen? Oder statt auf der Couch deine Lieblingsserie zu schauen, dabei ein paar Planks (Unterarmstütz) einbauen? Noch besser – nutze die Werbepause dafür!

Lasse deine Phantasie walten und gehe spielerisch an die Sache ran. Das ist immer ein hervorragender Ansatz!

Welche Übungen gehören ins Stabilisationstraining?

Erfahrene Läufer oder Radfahrer haben trainierte Beine – doch oberhalb der Hüfte schaut es weniger gut aus. Ich bin da keine Ausnahme. Deshalb gilt es vor allem da anzusetzen. Warum hast du ja bereits ausführlich erfahren…